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BROKER MADE IN LINZ




Weder Frankfurt noch Zürich als die Finanzzentren des DACH-Raums führen die Forbes-Liste als Heimat der besten Fondsmanager von 2023 an. Der performancestärkste Fonds ist „Made in Linz“. Markus Weissörtel landet mit dem von ihm gemanagten WSS-Europa-Fonds an der Spitze der Liste, und das, obwohl die europäischen Finanz- und Wirtschaftssektoren in den letzten Jahren einiges einstecken mussten.


Ein erfolgreicher Fondsmanager aus einer kleinen österreichischen Stadt passt so gar nicht in das von Hollywood inszenierte Bild eines Brokers, der täglich Millionen tradet, riesige Partys schmeißt und aus „Performancegründen“ zu illegalen Sub­stanzen greift. Und auch sonst gleicht Markus Weissörtel, Fondsmanager des WSS-Europa-Fonds und Mitgründer der WSS Vermögensmanagement GmbH, kaum Leonardo DiCaprio aus „The Wolf of Wall Street“, obwohl die Finanzbranche beinahe sein ganzes Leben geprägt hat: „Mit 16 habe ich meine erste Aktie gekauft“, erzählt er stolz als Einstieg in das Interview. Danach folgten das Studium der Handels­wissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und zehn Jahre Erfahrung in der Bankenbranche, bevor Weissörtel 2005 die WSS Vermögensmanagement GmbH mitgründete.

Heute managt Weissörtel mit seinem elfköpfigen Team insgesamt fünf Fonds; unter anderem den WSS-Europa-Fonds, mit dem er die Forbes-Liste der besten Fondsmanager 2023 anführt. Dieser Fonds investiert vorwiegend in europäische Unternehmen. Allerdings handelt es sich laut Definition bereits um einen europäischen Aktienfonds, wenn mehr als die Hälfte der Investments europäischen Unternehmen oder Institutionen zukommt. Diese Grenze wurde 2016 von gerade einmal 5 % auf 51 % angehoben; die übrigen 49 % können weltweite Investitionen zum Gegenstand haben. Das sei laut Weissörtel insbesondere aus Ergebnisgründen wichtig: „Es gibt Bereiche, für die wir glauben, dass man in Europa nicht sehr gut aufgehoben ist. Da muss man – ob man möchte oder nicht – in die USA oder nach China schauen, wie beispielsweise bei großen Technologieunternehmen.“ Aber auch im Rohstoffbereich sei die Ausgangslage ähnlich. Denn am Ende zählt für Weissörtel die Langzeitperformance seines Fonds und auch für die Kunden vor­wiegend, was unter dem Strich übrig bleibt.

Der WSS-Europa-Fonds investiert zu 81,5 % in Aktien, zu 16,5 % in Anleihen und zu einem kleinen Prozentsatz in andere Vermögenswerte. Diese Anleihen sind laut Weissörtel allerdings keine klassischen Staatsanleihen, sondern beziehen sich ebenfalls wie die Aktien auf Unternehmen; somit wird nicht in Governance investiert. Außerdem sind die Anleihen rein aus Performancegründen im Fond enthalten, weil sie laut Weissörtel zwischen 7 und 10 % Rendite einbringen.


Auch wenn der WSS-Europa-Fonds aufgrund der Spezialisierung auf europäische Unternehmen einen weiten Investitionsradius hat, wird versucht, stark emotionalbasierte Branchen außen vor zu lassen, wie beispielsweise die klassische Waffenindustrie. Zwar handelt es sich hierbei laut dem Fondsmanager nicht um ein explizites Ausschlusskriterium, doch soll in Grenzfällen der moralische Aspekt die Performancegründe überwiegen. Dennoch besteht die Gefahr, dass der Fonds implizit in Unternehmen investiert, die solche Branchen als Konglo­merat mit beinhalten.


„Es ist wichtig, dass man schnell auf sich verändernde Situationen reagiert und dass man versucht zu antizipieren, wie es in nächster Zeit weitergeht“, beschreibt Weissörtel das Vorgehen seines Teams in Bezug auf aktuelle Herausforderungen.


Neben moralisch negativ ­konnotierten Bereichen investiert Weiss­örtel außerdem kaum in die Solar­industrie: Das Thema ist momentan zwar „sehr gehypt“, aber könnte laut Weissörtel in einigen Jahren wirtschaftlich kaum mehr Relevanz haben, wenn die Kapazi­täten für Solaranlagen weitgehend ausgereizt sind. Denn eine solche Anlage hält in der Regel mehrere Jahrzehnte, ohne ausgetauscht werden zu müssen. Weissörtel ergänzt: „Auch hier geht es uns nur um die langfristige Performance des Fonds, und wir denken sehr antizyklisch, sodass wir uns nicht leicht auf Trends einlassen.“


Als Langzeitinvestition spannend findet Weissörtel hingegen das Thema Wasserstoff. Denn in der Erzeugung von nachhaltiger Energie stellt sich ein wesentliches Problem: Strom würde dann im Überschuss vorhanden sein, wenn er gerade nicht verbraucht werden kann, wie im Sommer durch Solarenergie. „Die zeitliche Transformation ist das Hauptproblem, welches unsere Energieautarkie behindert“, meint Weissörtel und setzt als Lösung auf Wasserstoffspeicher zur Stromaufbewahrung.


Doch die letzten Jahre mit ihren multiplen Krisen waren auch für die Finanzbranche kein Zuckerschlecken. Auch Weissörtel musste seinen WSS-Europa-Fonds permanent an die aktuellen Situationen anpassen. Während der Corona-­Pandemie wurde beispielsweise verstärkt in Tech-Unternehmen investiert. Auch der Angriffskrieg auf die Ukraine forderte Adaptionen: Es wurde ein Fokus auf Öl- und Rohstoffkomponenten gelegt, um die Abhängigkeit von Russland in diesen Bereichen zu minimieren. Beispielsweise wurden große Investitionen in Equinor, einen börsennotierten Erdöl- und Erdgaskonzern in Norwegen, getätigt. Auch aktuell finden aufgrund des Nahostkonflikts große Umschichtungen im Fonds statt; beinahe gänzlich wurden die im Ukrainekrieg weit aufgestockten Öl- und Rohstoffkomponenten verkauft. „Es ist wichtig, dass man schnell auf sich verändernde Situationen reagiert und dass man versucht zu antizipieren, wie es in nächster Zeit weitergeht“, beschreibt Weissörtel das Vorgehen seines Teams in Bezug auf aktuelle Herausforderungen.


Grundlegende Umschichtungen finden laut dem Fondsmanager allerdings nur selten statt; einzelne Titel würden hingegen laufend ausgetauscht werden: „Wir haben einen sehr konzentrierten Ansatz mit etwa 30 Titeln, die teilweise aber auf 800 bis 900 Transaktionen kommen“, so Weissörtel. Bei solch einer Tradingfrequenz ist es aber auch notwendig, Titel zu verkaufen, die zwar fundamental interessant, aber technisch ausgereizt sind.

Momentan würden Investoren sehr nach riskanten Aktien sortieren – so Weissörtel –, doch ihr „Risikoappetit“ sei langsam wieder zu spüren. Der Fondsmanager denkt mit Blick auf den Leitzins der Europäischen Zentralbank, dass es in nächster Zeit zu keinen weiteren Erhöhungen kommen wird und dass die Inflationsrate – langsam, aber sicher – sinken wird, wovon alle Asset-Klassen profitieren sollten. Zu beachten sei aber, dass die Inflation in einigen Jahren wiederum an Fahrt aufnehmen könnte, getrieben durch den Personalmangel oder die Deglobalisierung.


Markus Weissörtel ist Mitgründer der WSS Vermögensmanagement GmbH und Manager des WSS-Europa-Fonds, mit dem er die diesjährige Forbes-Liste der besten Fondsmanager anführt. Weissörtel studierte Handels­wissenschaften an der WU Wien und sammelte zehn Jahre Erfahrung in der Bankenbranche, bevor er sich der Vermögensberatung widmete.


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